Von fallenden Mauern, bewegenden Bildern und der Sehnsucht nach Italien

Katrin Walter bei der PR-Arbeit auf der Vernissage in Rom (Foto: Bettina Roeder)

Der Mauerfall 1989 in Berlin hat die ganze Welt bewegt und verändert. Er hat Geschichte gemacht und viele Geschichten gestiftet, zum Beispiel meine eigene: Berlin – Wiesbaden – Oberursel – Mailand – Broni. In dieser unscheinbaren Aufzählung stecken gleich zwei Systemumbrüche, von der DDR zur BRD und von Deutschland nach Italien. Vieles habe ich erlebt, viele Menschen getroffen, viele Orte besucht und vieles davon habe ich nur tun können, weil die Mauer weg ist. Von einem Erlebnis möchte ich euch hier erzählen, denn es steckt so voll von überraschenden Zufällen, dass es fast unglaublich erscheinen könnte. Doch es gibt genug Zeugen für diese wahre Geschichte, die ich euch hier in einem kleinen Drehbuch vorstelle …

Das Drehbuch der Geschichte zum Mauerfall

Szene 01:
In Ostberlin fällt die Mauer.

Szene 02:
Eine Ostberlinerin macht sich 1990 zum ersten Mal auf den Weg nach Rom, wovon sie schon lange geträumt hat. Hintergrund: Sie kann schon etwas die Sprache, denn sie ist im Sommer immer nach Ungarn gefahren und traf dort irgendwie immer auf Italiener.

Szene 03:
Eine Westdeutsche macht sich 1990 zum ersten Mal auf den Weg nach Rom, der Stadt ihrer Träume. Hintergrund: Unsicherheit und auch etwas Verzweiflung über die eigene Lebenssituation, denn sie wusste lange nicht, dass sie im Herzen eine Malerin ist, und entdeckt ihr wahres Ich genau auf dieser Reise nach Rom.

Szene 04:
Die Westfrau hat ihr Selbst verwirklicht und ist nun Künstlerin.

Szene 05:
Die Westfrau fährt in Urlaub in den Osten und entdeckt einen besonderen Malgrund, ein Papier, auf dem im ehemaligen Ostdeutschland Dokumente wie Führerscheine ausgestellt wurden. Sie bekommt davon einen einzigen Bogen geschenkt, denn es gibt nicht mehr viel davon.

Szene 06:
Die Künstlerin malt genau auf diesem Papier ein Bild zum Thema „Mauerfall“. Sie wohnt und arbeitet in der Ostenstraße.

Szene 07:
Die Westfrau lernt Jahre später bei einem weiteren Besuch in Rom eine andere Westfrau kennen, die Grafikdesignerin ist und schon länger in Rom lebt.

Szene 08:
Die Ostberlinerin studiert Marketing und lernt noch weiter Italienisch und macht sich auf den beruflichen Weg gen Westen.

Szene 09:
Die Ostberlinerin, die schon lange im Westen angekommen ist, wandert nach Italien aus. Vorab informiert sie sich gut und trifft dabei in einem Online-Forum auf die in Rom lebende Westfrau.

Szene 10:
Die Künstlerin träumt von einer Ausstellung in Rom.

Szene 11:
Die Künstlerin erzählt das der Grafikdesignerin in Rom.

Szene 12:
Die Grafikdesignerin erinnert sich, dass sie eine Galerie in Rom gut kennt und eine PR-Frau, weil man für die Ausstellung auch eine begleitende Kommunikation braucht.

Szene 13:
Die Galerie gibt ihre Zusage für die Ausstellung und die ehemalige Ostberlinerin, die heute eine Kommunikationsexpertin ist und Italienisch kann, für die PR-Unterstützung.

Szene 14:
Die Grafikdesignerin macht den Katalog zur Ausstellung.

Szene 15:
Die Kommunikationsexpertin aus dem ehemaligen Osten entwirft alle Texte und kontaktiert Presse und potenzielle Kunden. So verhilft sie der westdeutschen Künstlerin zu Aufmerksamkeit für ihre erste Ausstellung in Rom und schafft es sogar, dass das italienische Fernsehen über die Künstlerin berichtet.

Die Vernissage im italienischen Fernsehen in der Sendung „SABATO NOTTE“ von RAI3

Szene 16:
Bei der Vorbereitung zur Ausstellung und direkt in Rom nähern sich Ostfrau und Westfrau an und erzählen sich voneinander. Das Gespräch kommt auch auf das Bild über den Mauerfall.

Szene 17:
Ostfrau muss das Bild unbedingt haben und kauft es von der Westfrau als Stück ihrer Geschichte.

Szene 18:
Der anderen Westfrau ist es zu verdanken, dass es heute diese Website mit Blog gibt, auf der man diese Geschichte erzählen kann.

Die Pointe

Rom ist also der Auslöser für die persönliche Wende der westdeutschen Künstlerin, während die Ostfrau nur aufgrund der Wende überhaupt in Italien sein kann, um der Künstlerin zu helfen. In Rom treffen sie sich das erste Mal 2012 anlässlich der Ausstellung persönlich, obwohl beide auch schon 1990 in Rom waren. Dieses erste Treffen findet bei der Grafikdesignerin statt. Der Mauerfall in Berlin ist das Sujet des Bildes. Es spielt also in der Stadt, aus der die Ostfrau kommt und in der die Mauer 1989 gefallen ist.

Der Hintergrund

Das Bild trägt den Titel „Familienzusammenführung“ und wer genau wissen will, was die einzelnen Symbole bedeuten, liest am besten das Interview von mir mit Anja Pauseback. Ich habe Anja zu ihrer ersten Ausstellung in Rom im Mai 2012 interviewt. Es erschien bisher jedoch nur auf Italienisch, wie die gesamte Kommunikation in 2012. Heute, 2014 finde ich es einen tollen Beitrag, um an den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu erinnern.

Man sieht das Bild „Familienzusammenführung“ von Anja Pauseback, das vom Mauerfall erzählt, und auf dem ein Zebra, ein Trabant im Zebralook und ein Grenzposten mit Mauer abgebildet ist.
„Familienzusammenführung“ von Anja Pauseback

Und jetzt ist es auch nicht mehr schwer zu erraten, wer die Ostfrau und wer die Westfrauen sind. Alle drei kommen aus verschiedenen Ecken Deutschlands, haben völlig unterschiedliche Lebensläufe und fanden aufgrund ihrer Sehnsucht nach Italien zusammen.

Zum Interview

Zur Beschreibung der Ausstellung in Rom (pdf)

Die Ausstellung im Celeste Künstler-Netzwerk…

Beschreibung der Fotos:

  1. Katrin Walter bei der PR-Arbeit auf der Vernissage in Rom (Foto: Bettina Roeder)
  2. Die Vernissage im italienischen Fernsehen in der Sendung „SABATO NOTTE“ von RAI3
  3. Die „Familienzusammenführung“ von Anja Pauseback
  4. Noch so ein Zufall und Harmonie pur: Katrin vor dem Bild „Reiz der weiblichen Verlockung“ von Anja Pauseback.

Noch so ein Zufall und Harmonie pur: Katrin Walter steht vor dem Bild „Reiz der weiblichen Verlockung“ von Anja Pauseback und es sieht aus, als ob sie dafuer Modell gestanden haette..

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6 Kommentare

6 Kommentare

  1. Ist sogar beim Lesen noch aufregend
    und macht Lust
    auf eine Ausstellung von Anja Pauseback in Berlin (der Stadt des Mauerfalls).
    weiter so
    wünscht MaJo

  2. Eine völlig neue Sichtweise “unserer” Geschichte, deren Einzigartigkeit durch dieses Drehbuch sehr spannend beschrieben wird. Danke, Katrin!

  3. […] Rom, Berlin, der Mauerfall und die Zahl 89 Und wer das jetzt alles schon als sehr mystisch empfindet, dem setze ich noch einen drauf: Der Clementine-Baum, der mir in diesem Jahr zugewiesen wurde, trägt die Nummer 89. Schon wieder so ein unergründlicher Zufall, ’89, das Jahr eines epochalen Ereignisses: der Mauerfall in Berlin. Was für ein Zeichen. Doch dazu gibt es eine andere Geschichte, die in Rom spielt. […]

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