Über die Kunst der Trunkenheit

Ein Plädoyer für den gepflegten Rausch

Mojito, gut gemacht und mit frischer Minze ein Genuss und beliebter Drink für alle, die den Geschmack von Rum mögen

Die Geschichte der Menschheit ist gepflastert mit Alkoholleichen. Denken wir nur an den Bischof Fugger, der dem Est! Est!! Est!!! etwas zu sehr zusprach, bis zum heute betrunkenen Autofahrer, der andere Menschen und sich selbst gefährdet. Alkohol entzweit. Schätzungen weltweit sprechen von 75 bis 140 Millionen Abhängigen, von 2 Milliarden Trinkern (nicht Be-Trinkern) und von 3,3 Millionen, die jährlich an den Folgen des Alkoholkonsums sterben.

Und trotzdem ein Plädoyer für den Rausch?

Ja, weil sich der Connaisseur hinterher nicht ans Steuer setzt. Ja, denn der Autor, Marcus Reckewitz, spart auch diesen Aspekt des Alkohols nicht aus. Im Gegenzug nimmt er uns mit auf eine Reise durch die jahrhundertalte Geschichte und Bedeutung des Alkoholkonsums bis heute und zeigt auch, dass Alkohol sehr verbindend wirken kann.

Pierce Brosnan als James Bond, seinen geschüttelten, nicht gerührten Drink trinkend

Alkohol-Geschichte und Geschichten

Trinken ohne Maß war einst fester Bestandteil der Etikette und bei minderer Wasserqualität war es allemal verträglicher, ein keimfrei gebrautes Bier oder vergorenen Wein zu trinken. Alkohol als Durstlöscher, Nahrungsmittel, natürliche Droge und „No-go-Area“, von allem findet sich etwas im Buch. Eine Kulturgeschichte des Umgangs mit Alkohol, wer was zum Trinken oder Nicht-Trinken gesagt hat, Abhandlungen zu den diversen Getränken, wie zum Beispiel zum Bier, Wein, Gin, Rum oder Absinth. Nach jedem Kapitel findet man eingestreut einen „Drink für zwischendurch“: ein Rezept und die Geschichte seiner Herkunft und seiner Abwandlungen. Als Bond-Fan (aber als kein Mixgetränke-Fan) fand ich besonders interessant die Abhandlung zum Lieblingsdrink von James, der insistiert, ihn „geschüttelt, nicht gerührt“ trinken zu wollen (nachzulesen ab Seite  135).

Zwischen Rausch und Glückseligkeit

Ich gebe es zu, ich mag ihn auch, ab und an so einen klitzekleinen Rausch. Doch eigentlich wäre Rausch schon zu hoch gegriffen, es ist eine kleine Glückseligkeit, die ich – je nach Konstitution – auch schon bei einem halben Liter Bier oder 1 bis 2 Gläsern Wein erreiche. Ich bin dann nicht wirklich im Rausch, sondern in einem von Leichtigkeit getragenen Zustand, von unseligen Gedanken befreit und meist im Kreis von lieben Menschen.

Diese Leichtigkeit findet sich auch im Buch wieder, kein erhobener Zeigefinger, sondern eher eine nüchterne und lehrreiche Analyse des Für und Wider von Alkoholgenuss. Ein Plädoyer gegen jedwede Bevomundung und für die Ekstase als Erlösung aus der Zeit, egal durch was sie hervorgerufen wird: Wein, Poesie, Liebe, eine Leidenschaft … ganz nach Belieben.

Man könnte dieses Buch natürlich auch anders lesen, als Rechtfertigung für das tägliche (Be)Trinken. Wer das braucht, braucht dieses Buch nicht, sondern kauft sich für die 7,95 Euro lieber eine Flasche Schnaps.

Empfehlung

Wer sich jedoch gern ein gutes Gläschen gönnt und etwas mehr über die Geschichte hinter legendären Drinks erfahren möchte, für sich selbst oder als Partyplausch, sollte bei dieser Anti-Nüchternheits-Lektüre nicht enthaltsam bleiben.

„Über die Kunst der Trunkenheit“
vom Sachbuchautor Marcus Reckewitz
256 Seiten, 125 x 202 x 25 mm, 340 g leicht, in Leinen gebunden
Anaconda Verlag
ISBN 978-3-7306-0392-5
7,95 Euro

Das Buch bei Amazon kaufen.

Cover des Buches "Über die Kunst der Trunkenheit - Plädoyer für den gepflegten Rausch" von Marcus Reckewitz

Fotos: Pixabay, Anaconda Verlag

 

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8 Kommentare

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  1. Danke für Deine informative Website – liebe Katrin. ich bin demnächst zu einer Weinkost eingeladen, deshalb habe ich mal als Mitbringsel 5 Bücher bestellt. Auch im Wein-Plus-Glossar – https://glossar.wein-plus.eu/ gibt es viele Hintergrundgeschichten über Wein und Weingenuss. Unter anderem folgende:

    RAUSCH ALS ZEREMONIELL: In vielen alten Kulturen galt der Rausch als reinigendes Zeremoniell mit psychohygienischer Wirkung. Unter der Achaimeniden-Dynastie (559-331 v. Chr.) der Perser wurde der Rausch bewusst eingesetzt, um über wichtige Fragen zu diskutieren und danach zu entscheiden. Man wollte die Ratio ausschalten, die Kreativität fördern und zwanglos Argumente und Gegenargumente diskutieren. Der Rausch diente der Enthemmung. Die gefassten Beschlüsse wurden allerdings dann im nüchternem Zustand einer nochmaligen kritischen Prüfung unterzogen. In vielen Religionen war besonders Wein ein heiliges Medium, mit dem man in mystischer Weise eine Beziehung zu Gott oder den Göttern herstellte. In der Bibel ist Wein ein häufiges Thema und spielt bei der Eucharistie eine zentrale Rolle. Siehe dazu ausführlich unter Trinkkultur.

  2. Wein, in Maßen genossen, hebt die Stimmung und lässt die Alltagssorgen entschwinden.
    Das ist schon seit der Antike so!
    Das “richtige Maß” zu finden, ist hierbei die Kunst.
    Vielleicht gibt das Buch über die “Kunst der Trunkenheit” Aufschluss darüber.
    Bin auf das Büchlein neugierig geworden.

    1. Liebe Ingrid,
      das Buch gibt eher keine Empfehlung zum richtigen Maß, sondern erzählt, wie durch die Jahrhunderte ein Rausch gesellschaftlich angesehen war oder eben nicht. Viel Spaß beim Lesen wünscht dir
      Katrin

  3. Mit dieser anregenden Rezension, bin ich doch wirklich verleitet,
    mir zu meinem nächsten Gläschen Wein, das Buch zu besorgen.
    Und dann nach dem Genuß von beidem, möchte ich in den Zustand kommen, der so wunderbar beschrieben wurde von Katrin:
    “… es ist eine kleine Glückseligkeit, … in einem von Leichtigkeit getragenen Zustand, von unseligen Gedanken befreit …”
    und darin möchte ich verweilen und verweilen und verweilen …

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